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Schreib doch mal wieder!

Von Andrea Früauff

Portrait Andrea Früauff

Mal ehrlich – wann haben Sie den letzten persönlichen Brief oder eine Postkarte aus dem Urlaub bekommen? Bei mir ist es auch schon ein Weilchen her. Dabei hatte ich früher etliche Brieffreundschaften in der ganzen Welt: Südkorea, Australien, USA, Tunesien, Frankreich, Spanien, Großbritannien…
Manche sind aus persönlichen Begegnungen im Sport oder einem Schüleraustausch entstanden, bei anderen kann ich mich gar nicht mehr erinnern, wie ich zu den Briefpartnern gekommen bin, möglicherweise über Anzeigen in Illustrierten oder Vermittlung von Lehrern. Auf jeden Fall habe ich durch die Brieffreundschaften viel über fremde Kulturen gelernt und beim Schreiben meine Sprachkenntnisse trainiert. Und immer war es eine große Freude, wenn ein Luftpost-Umschlag mit blau-rotem Rand im Briefkasten lag, vielleicht sogar mit einer seltenen Briefmarke drauf. Denn wie so viele in meinem Alter habe ich damals natürlich auch Briefmarken gesammelt und getauscht.
Leider hat sich von den damaligen Freundschaften keine einzige mehr erhalten. An mir lag’s nicht, behaupte ich jetzt mal. Ich habe meines Wissens immer geantwortet, aber irgendwann hatte sich das Ganze dann wohl doch erschöpft. Nur an ein Ende kann ich mich noch erinnern. Der Tunesier schrieb mir irgendwann, ich sollte ihm doch bitte das neuste Basketballstiefel-Modell in seiner Größe schicken. Das ging mir dann doch zu weit und ich habe die Korrespondenz beendet.
Später haben wir mehrere Patenschaften für Kinder in Südamerika oder Afrika übernommen. Mein Mann war fürs Überweisen zuständig und ich für den Kontakt zu den Kindern. Das war zum Teil sehr nett, aber auch etwas mühsam, weil die Antwort sehr spärlich ausfiel und bisweilen Monate auf sich warten ließ. Und als die Kinder 18 Jahre alt waren, fielen sie aus dem Programm. Danach schlief auch die Korrespondenz ein.
Doch seit kurzem habe ich einen neuen Briefpartner. Mein Enkel ist gerade in die zweite Klasse gekommen und schreibt mir herzallerliebste Botschaften und Briefchen, die er originell faltet und mit netten Zusätzen wie Blöckchen oder Aufklebern bestückt. Auch seine fünfjährige Schwester fängt schon an, die ersten Buchstaben aneinanderzureihen und unter ihre gemalten Kunstwerke zu verteilen. Da geht einem als Oma doch das Herz auf und selbstverständlich gibt es auf jeden dieser Briefe postwendend eine Antwort.

Handschriftliche Grüße

Andrea Früauff