
Kürzlich saß ich im Schreibtisch und hatte zwei große To do‘s auf meiner Liste: Eine Sonderausgabe zum Thema Cybergrooming, die wir in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund und dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium erstellen, und eine Doppelseite zum Thema Rechtsextremismus für die Kinderzeitung. Ganz schön harter Stoff. Warum musste ich parallel ausgerechnet an diesen beiden Themen arbeiten?
Für alle, die bisher noch nicht mit dem Thema in Berührung gekommen sind: Unter Cybergrooming versteht man die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte mit Kindern und Jugendlichen im Internet durch Erwachsene, in aller Regel Männer. Wie viele Kinder und Jugendliche tatsächlich von Cybergrooming betroffen sind, ist schwer zu erfassen, da die Dunkelziffer, wie auch bei anderen Missbrauchsdelikten, sehr hoch ist. Eine repräsentative Befragung der Landesanstalt für Medien NRW ergab 2025, dass ein Viertel der Kinder und Jugendlichen schon Erfahrung mit Cybergrooming gemacht hat. Jeder Vierte! In der gleichen Woche wurde übrigens der Fall Ulmen/Fernandes bekannt und offenbarte das Ausmaß dessen, was inzwischen an digitaler Gewalt möglich ist und wie schutzlos man dem mitunter ausgeliefert ist.
Auch in derselben Woche waren Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen gaben die meisten ihre Stimme der AfD. Einer (in Teilen) gesichert rechtsextremen Partei. 21 Prozent, mehr als jeder Fünfte! In meiner Heimatstadt Kaiserslautern wählten 26,1 Prozent die AfD (insgesamt in allen Altersgruppen). Mehr als jeder Vierte!
Und da hatte ich meine Antwort, warum ich mich zeitgleich mit genau diesen beiden Themen beschäftige: Weil sie (neben anderen) die Herausforderungen unserer Zeit sind. Und weil es absolut notwendig ist, dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen, auch wenn es wehtut, abschreckend ist und man am liebsten davonlaufen würde. Wenn es sein muss jeden Tag.
Ich habe zwei Kinder, zwei Jungs. In dieser Welt werden sie groß. Das kann ich finden, wie ich will, ändern kann ich es nicht. Was ich aber tun kann, ist, sie durch diese Welt zu begleiten. Indem ich mich genau mit diesen Themen befasse, die auch sie in Zukunft betreffen könnten. Indem ich den Gesprächsfaden nicht abreißen lasse. Mich für ihre Welt, ihre Vorlieben, Ideen und Sorgen ehrlich interessiere. Und ihnen so signalisiere: Ihr könnt über all das offen mit mir sprechen. Also mache ich es, ich befasse mich damit, intensiv, für sie und für mich.