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Dreck statt Smartphone

Von Nicole Hauger

Portrait Nicole Hauger

„Alle anderen haben auch eins!“ Haben Sie diesen Satz schon mal gehört? Ich schon, und zwar bei beiden Kindern kurz vor Eintritt in die weiterführende Schule. Und ja, ich habe mich dem Druck gebeugt. Es gibt doch Family Link und die Apple Familienfreigabe, Apps, mit denen man die Bildschirmzeit der Kinder-Smartphones über das eigene Smartphone verwalten kann. Eine Stunde Spielzeit am Tag, ansonsten nur Telefon und Kamera. Was soll schon dabei sein? Die Kinder müssen doch mit der Technik aufwachsen und den Umgang damit lernen.Soweit die Theorie. Die Praxis sah leider anders aus. Ich war ganz schön blauäugig. Die kleinen Racker sind nämlich geschickt und weitaus cleverer als wir. Digital Natives halt. Und so gab es einen Kampf nach dem anderen um Handyzeiten, die irgendwann so gar nichts mehr mit unseren App-Einstellungen zu tun hatten.

Es war (und ist diesbezüglich manchmal immer noch) eine anstrengende Zeit und ich hätte mir im Nachhinein mehr Austausch mit anderen Eltern gewünscht. Der findet inzwischen verstärkt statt: „Smarter Start ab 14“ nennt sich zum Beispiel eine Elterninitiative, die sich dafür einsetzt, dass Kinder erst ab 14 Jahren ein eigenes Smartphone erhalten (www.smarterstartab14.de).

Das Problem: Der soziale Druck ist riesig – denn alle anderen haben eben auch eins. Kein Elternteil will, dass das eigene Kind ausgeschlossen ist. Die Idee der Initiative ist es, dass die Eltern sich vernetzen. Der Gedanke geht so weit, dass die Elterngruppen an Schulen herantreten, um smartphonefreie Klassen zu initiieren. Das funktioniert, und zwar erfolgreich nach dem Prinzip einer Sonderklasse wie einer Bläserklasse oder einer bilingualen Klasse. Zu sehen beispielsweise am Gymnasium Wentorf in der Nähe von Hamburg: Die „Smartphonefreie Klasse 5A“ zeichnet sich alleine dadurch aus, dass die Kinder erst mit 14 Jahren ein internetfähiges Handy bekommen, schriftlich zugesichert von den Eltern. Der Unterricht ist ansonsten derselbe wie in den anderen Klassen.

Ich habe mit meinen Kindern darüber gesprochen. Sie sind sicher, dass diese Kinder innerhalb der Schulgemeinschaft ziemlich alleine dastehen. Und natürlich finden sie den Gedanken nicht gut, ganz aufs Smartphone zu verzichten. Ich schon. Ich hätte meinen Kindern durchaus mehr aufgeschlagene Knie gewünscht und hätte auch gerne sehr viel mehr verdreckte Hosen gewaschen. Aber hätte ich mich einer solchen „Gemeinschaft“ angeschlossen? Ich weiß es nicht.

Das Gymnasium Wentorf will übrigens auch im nächsten Schuljahr eine „Smartphonefreie Klasse“ anbieten – die Nachfrage war nämlich so groß, dass gar nicht alle interessierten Familien in die Klasse aufgenommen werden konnten.

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