
Weihnachten und Silvester sind längst vorbei, aber die Kühlschränke immer noch voll. Ich rege mich ja immer gerne darüber auf, dass viele Menschen vor solchen Festtagen einkaufen, als würde eine Hungersnot ausbrechen – aber zweifellos habe ich auch zu viel eingekauft. Viel zu viel. Meine Söhne schauen sich lustlos an, was übrig geblieben ist vom Fest. Sie haben so gar keine Lust auf eine bunte Pfanne oder wie immer man kreative Resteverwertung betitelt, und brummeln, dass man ja mal wieder einkaufen gehen könnte… Tue ich nicht. Und bringe stattdessen das Thema Lebensmittelverschwendung auf den Tisch.
In der Redaktion haben wir uns in den vergangenen Wochen intensiv mit diesem Thema beschäftigt, da wir mit der Kinderzeitung „Kruschel“ Spenden für die Tafeln sammeln. Immer mehr Alleinerziehende und Familien mit Kindern kommen zu den Tafeln. Mehr als ein Viertel der Kunden dort sind Kinder und Jugendliche. Einfach so in den Supermarkt zu gehen und zu kaufen, was nötig ist und was man gerne essen möchte, ist für sie nicht drin. Und nicht nur die Preise für Lebensmittel sind extrem gestiegen, Familien können sich vieles nicht mehr leisten, was für Kinder wichtig ist: neue Kleidung, Schwimmbad- oder Kinobesuche der Kinder mit Freundinnen und Freunden. Für Kinder ist es aber wichtig, dass sie am sozialen Leben teilnehmen können, gemeinsame Erlebnisse haben.
In einigen Städten gibt es extra Kindertafeln, in denen gezielt Aktionen für Kinder organisiert werden. Es sind keine Riesenwünsche, die erfüllt werden müssen, um diese Kinder glücklich zu machen. In Speyer ging es beispielsweise gemeinsam ins Kino. „Da haben die Kinder gefragt: ‚Bekommen wir auch Popcorn?‘, und ihre Augen haben gestrahlt“, hat uns Simone Heilmann erzählt, die dort bei der Tafel arbeitet. „Es geht um gemeinsame Aktivitäten, an denen sie unbeschwert teilnehmen können. Wenn sie in der Schule dann über den angesagten Film berichten, den sie im Kino gesehen haben, ist das ein Stück Normalität.“ Ein schönes Beispiel, wie auch kleine Dinge große Freude bereiten.
Zurück zum heimischen Kühlschrank. Ganz viele Dinge sind da drin, die nicht für alle Menschen selbstverständlich, sondern wertvoll sind. Ich werde auch nicht müde, dies meinen Söhnen in Erinnerung zu rufen. Im Bewusstsein ist es bei vielen Menschen angekommen: 77.000 ehrenamtliche Helfer unterstützen die Tafeln bei der Lebensmittelausgabe, mehr denn je. Auch das hilft!
Herzliche Grüße