
Über Pfingsten war ich zwei Tage allein im Wald. Ich bin gewandert, war im See schwimmen, habe gelesen und mich so wenig wie möglich mit anderen Menschen unterhalten. Es war das Gegenprogramm zum wortreichen Alltag mit zwei kleinen Kindern: zu den 47 Mal „Zieh bitte deine Schuhe an“, „Putz deine Zähne“ oder „Hau deinen Bruder nicht“, die ich jeden Tag in den luftleeren Raum spreche und den 289 Mal „Mama, ich will aber…“, die ich stattdessen zu hören kriege. Und deshalb waren es womöglich die wichtigsten und wertvollsten Tage, die ich in den letzten Wochen verbracht habe – für mich und für meine Kinder.
Ich finde, man lernt sich selbst noch mal ein ganzes Stück besser kennen, wenn man Kinder bekommt und Dinge, die vorher selbstverständlich waren, plötzlich abhandenkommen: zum Beispiel Zeit und Ruhe. Ich bin gerne allein, viele unterschiedliche Geräuschquellen zur gleichen Zeit machen mich unruhig und ich hasse Chaos. Das war alles schon immer so, ich war mir dessen aber nie so richtig bewusst. Nun brauche ich niemandem mit Kindern zu erklären, dass der Alltag mit ihnen das genaue Gegenteil von dem ist, was ich da beschreibe. Mein Nervensystem hält das aber nur eine begrenzte Zeit gut aus, dann brauche ich Ruhe. Und damit meine ich nicht Ich-gehe-kurz-mit-einer-Freundin-Kaffee-Trinken-Ruhe, sondern wirklich Ruhe. Länger als zwei Stunden. Den meisten Eltern, die ich kenne, geht es genauso, egal, was für ein Typ Mensch sie sind und wie genau diese Ruhe dann für sie aussieht. Das habe ich inzwischen gelernt.
Am Anfang meiner Mutterschaft habe ich aber weder dieses Bedürfnis richtig wahrgenommen, noch es als etwas Normales und Logisches gesehen. Ich hatte vielmehr das Gefühl, dass es irgendwie nicht richtig ist, mir eine Auszeit mehr zu wünschen, als mit meinen Kindern zusammen zu sein. Denn ich hatte dafür kein Vorbild. Meine Eltern sind niemals ohne uns weggefahren, schon gar nicht einzeln. Wirkliche „Pausen“ von den Kindern, das gab es irgendwie nicht.
Im Arbeitskontext hört man häufiger, man soll echte Pausen machen, nicht nur schnell am Schreibtisch ein Brötchen reinschieben. Man nimmt Urlaub, um sich von der Arbeit zu erholen. Auch Elternschaft ist Arbeit! Vielleicht die wichtigste und anstrengendste, die man im Leben so machen kann. Auch davon braucht man Pausen!
Ich hatte mit meinen Kindern seit Pfingsten richtig schöne Tage. Weil der dritte kindliche Nervenzusammenbruch am Tag einfach besser auszuhalten ist, wenn man nicht selbst kurz vor einem steht.