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Immer wieder freitags

Von kruschel

Portrait Nicole Hauger

Halten Sie mich gerne für verrückt, aber Freitagabend gehört dem Salat. Und zwar seit fast 20 Jahren, also schon, als von Kindern noch keine Rede war. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie oder wann genau diese Tradition ihren Anfang genommen hat, aber der Freitagabend-Salat ist so unverrückbar wie das Müsli zum Tatort am Sonntag, aber dazu komme ich später noch.

Lassen Sie mich kurz erklären: Der Freitagabend-Salat ist einfach eine große Schüssel Grünzeug mit etwas Fisch, Fleisch oder Käse, Baguette und dazu ein Gläschen Wein. Lange haben die Kinder die Nase gerümpft, Salat war bäh, heute putze ich zwei bis drei Köpfe und die Schüssel wird immer größer. Ein wirklich schönes Ritual, vor allem, weil es ständig in Bewegung ist. Rituale dürfen sich nämlich gerne verändern und an neue Lebenssituationen anpassen. Ich lese den Kindern ja abends auch nichts mehr im Bett vor, was ich wirklich lange getan habe.

Wir haben einige solcher Traditionen, die halt irgendwann enstanden sind. Samstags gibt es zum Frühstück Brötchen vom Bäcker und Ei, sonntags Toast und abends… naja, sonntagabends gibt’s eben Müsli. Ich finde: Essensrituale in der Familie schaffen Struktur, sie geben ein gutes Gefühl und sie fördern eine positive Beziehung zum Essen – und zu den Kindern. Denn sie schaffen auch Gelegenheit zum Reden. „Wie war es in der Schule? – Gut!“ – Nix da! Beim Essen wird nachgehakt, da kommt keiner mit einem „Gut!“ davon.

Manche Rituale kommen und gehen, eine Zeitlang gab es wöchentlich ein Gericht aus dem Kochbuch meines Sohnes von irgendeinem bekannten Youtuber. Das meiste war lecker, manches schmeckte so naja, und am Ende hatten es ein, zwei Rezepte auf die Liste der wiederkehrenden Mittagessen geschafft. Aber wichtiger als das Ergebnis war ohnehin der Weg dorthin.

Das wichtigste bei Traditionen ist: Man darf sie nicht zu ernst nehmen. Wir sind viel unterwegs und da sind diese Rituale natürlich völlig obsolet. Umso schöner, wenn man wieder nach Hause kommt und Freitagabend gibt’s… Sie wissen schon.

Übrigens: Es ist nie zu spät, neue Familientraditionen zu schaffen! Hier sind fünf Tipps dazu, die bei uns ziemlich gut funktioniert haben:

Feste Zeiten: Legen Sie einen Tag für etwas fest, die Uhrzeit ist eher zweitrangig, außer natürlich bei jüngeren Kindern.

Einfach machen: Gibt es Lieblingsessen für alle? Warum dann dauernd nach etwas Neuem suchen?

Zeit einplanen: Wenn einer zum Gitarrenunterricht muss und der andere ins Gym will hat man natürlich nicht die Muße für ausufernde Gespräche. Ansonsten gilt: Beim Essen wird nicht gehetzt!

Nehmen Sie die Kinder mit: Gemeinsames Schnippeln trainiert die Feinmotorik, spart Zeit (irgendwann jedenfalls) und macht Spaß.

Keine Geräte: Handy & Co haben beim Essen nix verloren. Mit kleinen Ausnahmen: Was kurz nachgucken, um das Gespräch im Fluss zu halten, ist bei uns erlaubt.

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