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So funktioniert die Familien-WG

Von Eva Fauth

Nun ist es so weit. Meine beiden Kinder sind keine Kinder mehr – sie sind junge Erwachsene, 18 und 20 Jahre alt. Sie wollen nicht mehr geknuddelt und mit Kosenamen tituliert werden, was in der Schule oder der Uni gerade los ist, bleibt im Tablet verborgen, für die Freizeit haben sie eigene Pläne. Der Klassiker: Sohn brezelt sich auf, dreht sich fünfmal vorm Spiegel. Ich: „Wo gehst‘n hin?“ Er: „Wieso fragst du?“ Ja, warum eigentlich?

Die Kinder, die nun junge Erwachsene sind, wollen ihre eigenen Wege gehen – und das ist gut so. Es ist der Weg ins eigene Leben, in die Selbstständigkeit, wie es so schön heißt. Nun ist es aber auch so, dass die beiden nicht-mehr-Kinder immer noch zu Hause wohnen. Und da sind sie in vielem Kinder geblieben: Sie gehen davon aus, dass der Kühlschrank immer gefüllt ist, die kreuz und quer verstreuten Klamotten von selbst in die Waschmaschine wandern, dass die lautstarke Musik allen im Haus gefällt und es völlig normal ist, stundenlang einfach nur rumzuliegen und ins Smartphone zu gucken. Ich: „Du könntest ruhig auch mal…“ Der Satz ist noch nicht zu Ende gesprochen, da kommt schon das Lebensmotto der scheinbar ganzen Generation: „Ey, chill mal…“ Klar, sie wollen ihre eigenen Wege gehen, aber das bequem von zu Hause aus. Mein Sohn kennt auch das Wort dafür: Komfortzone. Die zu verlassen, fällt wohl niemandem leicht.


Alles kein Grund zum Verzweifeln, im Gegenteil. Statt sich über täglichen Kleinkram zu ärgern, gilt es, Ärgernisse aus dem Weg zu schaffen. Für mich sind drei Punkte dabei wichtig.

Respekt: Die Jungs wollen nicht mehr, dass ich sie wie kleine Kinder behandele – verstehe ich voll und ganz. Aber meine Rolle verändert sich damit auch – ich möchte nicht nur als Mama gesehen werden, die den Laden schmeißt und kocht und putzt etc. Ich möchte, dass auch meine Bedürfnisse respektiert werden.

Regeln: Daraus folgt, dass jeder mit anpacken muss. Kurz gesagt: Ab und zu mal runter von der Couch und was im Haushalt erledigen.
Raum: Wer zusammen wohnt, sollte sich nicht dauernd auf der Pelle hängen. Meine Jungs mögen es nicht, wenn ich ohne zu klopfen ins Zimmer komme. Aber wenn ich mich mit einem Buch verziehe, gilt das Gleiche. Eigene Räume sind Freiräume.

Eigene Wege gehen muss jeder von uns erst lernen, die Jungs genauso wie ich. Unsere „Familien-WG“ ist ein erster Schritt. Bei dem Punkt Regeln ist vieles eher noch Theorie als Praxis, aber wir arbeiten dran. Ich versuche, es „gechillt“ zu sehen.

Grüße aus der Famlien-WG

Eva Fauth