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In der WG lernt man fürs Leben

Von Eva Fauth

So langsam werden im Freundeskreis meines Sohnes die Koffer gepackt. Oft geht es zum Studium in andere Städte kreuz und quer in Deutschland. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt – und bei vielen kommt zu der eigenen Familie nun eine neue hinzu: die WG-Familie.


Seine eigene Familie kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen – mit wem man in einer Wohngemeinschaft lebt hingegen schon. Zumindest in den meisten Fällen. Ich denke an die Zeit, als ich nach zwei Semestern beschlossen habe, mit zwei Freundinnen zusammenzuziehen. Um zu testen, ob wir WG-tauglich sind, haben wir vorher noch eine gemeinsame Rucksack-Reise gemacht. Urlaub unter härtesten Bedingungen quasi. Wir waren überzeugt: Wenn das klappt, gibt’s auch keinen Krach wegen Küchenchaos oder eines Putzplans.


Und tatsächlich hat das jahrelang ganz gut funktioniert. Okay, die verschiedenen Vorstellungen von Ordnung sind ab und an doch aufeinandergeprallt, es gab nur ein kleines Bad für alle, vor dem sich oft lange Schlangen gebildet haben, und wenn ich heute zuhöre, wenn die Freunde meines Sohnes darüber diskutieren, dass eine Wohnung ohne Spülmaschine doch gar nicht geht, kann ich nur müde lächeln. Hatten wir nicht, genauso wenig wie eine Waschmaschine. Aber egal – wir hatten Spaß, jede Menge sogar.


Und das ist auch der Grund, warum ich allen Freunden meiner Kinder und jedem jungen Menschen überhaupt empfehlen würde, das WG-Leben mal auszuprobieren. Und das ganz abseits davon, dass Wohnraum in vielen Städten für Studenten und Azubis sowieso schier unbezahlbar geworden ist und zu Beginn des Sommersemesters 2025 selbst ein WG-Zimmer im Schnitt fast 500 Euro gekostet hat (es geht auch noch teurer: In München zahlen Studierende mittlerweile im Schnitt 800 Euro). In einer WG lernt man fürs Leben. Vor allem lernt man sich selbst kennen und merkt, wie lebenstauglich man ist, wenn man das Elternhaus verlässt. Von den Kochkünsten angefangen bis zu anderen Macken, die man so hat und vielleicht bislang noch nicht bemerkt hat. Dann sind da die WG-Partys, über die wir auch heute noch reden. Und wie in jeder Familie geht man gemeinsam durch Höhen und Tiefen: Liebeskummer, Prüfungsstress und was einen sonst so plagt, wird ausdiskutiert und durchgestanden. Es ist immer jemand da zum Quatschen und Anpacken, wenn Hilfe gebraucht wird.


Und wenn die WG mal nervt? Dann gibt’s ja noch die andere Familie. Und die freut sich immer über Besuch und neue WG-Geschichten.

Viel Spaß beim WG-Leben wünscht

Eva Fauth