
Weihnachten ist in den meisten Familien das Fest der Traditionen. Das reicht vom traditionellen Essen an Heiligabend bis zum Weihnachtsfilm, der beim Einpacken der Geschenke läuft. Ich habe gute Erinnerungen an die Traditionen aus meiner Kindheit und dachte am Anfang automatisch, dass ich sie alle übernehmen würde. Jetzt merke ich, wie ich Jahr für Jahr eine Weitere infrage stelle oder mich von welchen verabschiede, weil sie einfach nicht so recht passen.
Das hat mit dem Essen an Heiligabend angefangen. Bei uns gab es immer Raclette und nicht nur das – dieses Essen gab es ausschließlich an Heiligabend. Heute esse ich mit einer Freundin sehr regelmäßig Raclette, allerdings nicht mehr an Heiligabend. Denn Raclette ist ein sehr geselliges und vor allem langwieriges Essen und passt damit ganz und gar nicht zu einem Heiligabend mit kleinen Kindern. Die wollen Geschenke auspacken und sie sofort ausprobieren, brauchen Hilfe beim Öffnen der Packungen, wollen, dass man das neue Spiel ausprobiert oder das Buch vorliest. Stundenlanges, entspanntes Sitzen am Tisch sitzen gibt es da nicht, und zum Essen kommt man zwischen Pfännchen machen und Lego bauen auch nicht. Deshalb gibt es bei uns seit zwei Jahren an Heiligabend Lasagne – die kann man morgens komplett fertig vorbereiten, sie ist schnell gegessen und schmeckt allen. Das hat unseren Heiligabend sehr viel entspannter gemacht.
Eine Tradition, von der ich mich dieses Jahr verabschiedet habe, ist die des selbstbefüllten Adventskalenders. Tatsächlich habe ich in den vergangenen Jahren die Säckchen befüllt, die meine Mutter selbst genäht und früher für uns befüllt hat. Eine große und schöne Tradition also, aber auch eine, die mich manchmal schon im November an meine Grenzen gebracht hat und die, je nach Inhalt, nicht nur für Begeisterung, sondern auch mal für Enttäuschung gesorgt hat. Möglicherweise ist die Freude über einen Schoko- oder Lego-Kalender also sogar größer, Tradition hin oder her.
Womit ich mir noch schwertue, ist der Wunsch nach einem früheren Aufstellen des Weihnachtsbaums. Der kam bei uns immer am 24. Dezember morgens ins Wohnzimmer, sodass am Heiligabend auch der erste Anblick des leuchtenden Baumes etwas Besonderes war. Aber vielleicht wäre es ja auch schön, den Baum länger zu haben. Vielleicht wird das also der nächste Abschied von einer alten Tradition, die ich in guter Erinnerung behalte, die aber jetzt Platz für eine neue macht.