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Alltag im All

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst ist gerade zum zweiten Mal zur Internationalen Raumstation ISS ins All geflogen. Dieses Mal wird er dort sogar das Kommando übernehmen. Das Leben auf der ISS ist für die Astronauten ganz anders als auf der Erde. Denn im All gibt es keine Erdanziehungskraft. Gegenstände und auch Menschen werden nicht auf den Boden gedrückt, sondern schweben durch die Luft. Das nennt man Schwerelosigkeit.
In der Schwerelosigkeit ist es gar nicht so einfach, den Alltag zu bewältigen. Die Astronauten haben einen festen Tagesablauf mit Besprechungen, festen Mahlzeiten, Sport und Zeit für sich selbst, in der sie Musik hören oder über Videoanrufe mit ihren Familien sprechen können.
Aber wie legt man sich eigentlich am Abend ins Bett, wenn man doch immerzu durch den Raum schwebt? Wie setzt man sich auf die Toilette und was gibt es im All zu essen?

Krümel verboten!
Alles, was krümelt, ist in der Raumstation verboten. Stell dir mal vor, den Astronauten würden den ganzen Tag Kekskrümel um den Kopf fliegen! Getrunken wird nur aus Strohhalmen und das Essen muss pampig sein, damit es am Löffel kleben bleibt. Dazu wird zum Beispiel dem Gulasch mit Püree Gelatine beigemischt. Was für uns ein bisschen eklig klingt, ist für die Astronauten ein riesiger Fortschritt: Früher mussten sie sich das Essen aus Tuben in den Mund drücken. Heute können sie aus etwa hundert Gerichten wählen. Sogar Ketchup, Mayo und Senf gibt es, genauso wie Pfeffer und Salz – allerdings nur in flüssiger Form. Nachschub wird in Transportkapseln von der Erde zur ISS gebracht. Das Essen schmeckt übrigens in der Schwerelosigkeit ganz anders als auf der Erde. Die Körperflüssigkeiten werden nicht nach unten gezogen und verteilen sich ganz anders im Organismus. Die Flüssigkeiten sammeln sich weiter oben, auch in den Schleimhäuten in Mund und Nase. Das ist dann ein bisschen so, als hätte man einen Schnupfen – deshalb schmeckt man weniger und das Essen muss stärker gewürzt werden.

Bitte anschnallen!
Wenn ein Astronaut mal muss, soll natürlich alles in der Toilette bleiben und nicht durch den Raum schweben. Deswegen hat das Klo nur eine kleine Öffnung und der Astronaut muss sich darauf anschnallen. Pipi macht man in einen Trichter, an dem ein Schlauch hängt, der das Pipi direkt einsaugt. Eine Klospülung gibt es im Weltraum übrigens nicht. Das Geschäft wird mit einer Pumpe weggesaugt.

Mmhh, Zahnpasta!
Fließendes Wasser gibt es auf der Raumstation nicht. Es würde wegen der Schwerelosigkeit in kleinen Tropfen durch den Raum fliegen. Wer Zähne putzen will, drückt sich einen Wassertropfen aus einem Wasserspender. Der fliegt im Raum herum und man muss ihn mit der Zahnbürste einfangen. An den Borsten bleibt er haften, genau wie die Zahnpasta. Beim Zähneputzen müssen die Astronauten den Mund fest geschlossen halten. Und: Ausspucken nach dem Putzen ist verboten! Die wässrige Zahnpasta wird einfach runtergeschluckt.

Wenig Wasser
Wasser ist auf der Raumstation knapp, schließlich gibt es dort keine Brunnen oder Flüsse und alles muss extra dorthin transportiert werden. Wenn ein Astronaut also einmal Lust auf ein ausgiebiges, heißes Bad hat, muss er sich gedulden, bis er wieder auf der Erde ist. Duschen ist aber ab und zu erlaubt. Ein spezieller Duschkopf spritzt das Wasser direkt auf die Haut und saugt es sofort wieder auf.

Tag und Nacht
Während bei uns ein Tag und eine Nacht vergehen, umkreist die ISS die Erde 16 Mal – alle eineinhalb Stunden einmal. Das heißt, für die Astronauten geht die Sonne ständig auf und wieder unter. Sie leben deshalb nach einem festen Stundenrhythmus und benutzen beim Schlafen oft Schlafbrillen, damit sie nicht dauernd von der aufgehenden Sonne geweckt werden. Ihren Schlafsack befestigen die Astronauten an der Wand, damit sie nicht umherfliegen. Manche schnallen sich auch fest, damit sie das Gefühl haben, irgendwo draufzuliegen, wie in einem richtigen Bett.

Fit bleiben!
Wenn die Astronauten in der Schwerelosigkeit umherschweben sieht das zwar einfach aus, ist für den Körper aber harte Arbeit. Knochen, Muskeln und Organe werden in der Schwerelosigkeit geschwächt. Deswegen müssen Astronauten viel Sport machen, um ihren Körper fit zu halten. Sie trainieren jeden Tag mindestens zwei Stunden – an den Sportgeräten werden sie natürlich festgeschnallt. Für medizinische Notfälle gibt es an Bord Medikamente. Vor ihrem Abflug ins All lernen die Astronauten für den Notfall sogar kleinere chirurgische Eingriffe.

Nina Henrich

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