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Hilfe statt Strafen für Schulschwänzer

Von dpa

Ist Schwänzen ein Ausweg bei Druck, Stress oder Angst? Ein Schülervertreter in Thüringen wünscht sich Lösungen. Mehr Schulpsychologen wären gut. Auch Aufklärung im Unterricht könnte helfen.

Schwänzen, Blaumachen, sich drücken oder den Unterricht sausen lassen: Es gibt viele Begriffe für das unentschuldigte Fehlen im Unterricht. Dass man mal keine Lust auf die Schule hat, kennt wohl jeder. Doch wenn Kinder häufig schwänzen, stecken oft ernstere Probleme dahinter.

Stress und Druck als Auslöser

Ärger zu Hause, Stress mit Mitschülern oder Lehrkräften können Gründe sein. «Der Notendruck und dass alles bewertet wird, was man in der Schule tut, gehört dazu», sagt Ben Kottek von der Landesschülervertretung Thüringen. Manche Schülerinnen und Schüler würden das Schwänzen als einen Ausweg sehen.

Allerdings gilt in Deutschland die Schulpflicht. Spätestens ab sechs Jahren müssen Kinder in der Regel neun bis zehn Jahre lang regelmäßig zur Schule gehen. Eltern können Ärger bekommen, wenn ihre Kinder unentschuldigt fehlen. Manche müssen dann sogar Strafen zahlen.

Aufklären über Krankheiten

Ben Kottek glaubt, dass die seelische Belastung für Schulkinder zugenommen habe. Cybermobbing sei ein neues großes Thema. «Dazu kommt Stress durch Kriege und andere belastende Inhalte, die man im Internet sieht», sagt er. Auch die Corona-Pandemie zeige noch Auswirkung auf manche Schülerinnen und Schüler. All das kann dazu führen, dass jemand lieber schwänzt, als zur Schule zu gehen.

Der Schülervertreter findet deshalb, in der Schule müsse mehr über psychische Krankheiten aufgeklärt werden. Denn wer sich stark belastet fühlt, entwickelt leichter Angststörungen oder Depressionen. «Psychische Krankheiten waren lange ein Tabu-Thema, da hieß es: Zähne zusammenbeißen und durch.» Aber sie könnten Thema im Ethik- oder Sozialkunde-Unterricht sein, sagt Ben Kottek. 

Mehr Hilfe von Schulpsychologen nötig

Wenn die Zahl der Schulschwänzer steigt, zeigt das auch, dass mehr Schulpsychologen nötig sind, findet der Schülervertreter. In Deutschland gibt es davon zu wenige. Das Beispiel aus Thüringen zeigt: Ein Schulpsychologe ist dort für 5.000 Schülerinnen und Schüler zuständig.

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