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Erzähler von früher verschwinden

Von dpa

Margot Friedländer hat ihre Lebensgeschichte oft erzählt, obwohl sie Furchtbares erlebt hat. Sie wollte verhindern, dass Verbrechen wieder geschehen. Zeitzeuginnen wie sie werden aber immer weniger.

Margot Friedländer ist erstaunliche 103 Jahre alt geworden. So lange leben nur wenige Menschen. Als junge Frau wäre sie jedoch beinahe ermordet worden. Denn Margot Friedländer kam in Berlin in einer jüdischen Familie zur Welt.

In ihrer Heimatstadt wurde sie am Donnerstag auch beerdigt. Viele bekannte Menschen kamen zum Friedhof, weil Margot Friedländer ihnen wichtig war. Sie war beliebt und hat viele beeindruckt. Obwohl sie schon sehr alt war, ruhte sie sich nicht aus. Sie sah es als ihre Aufgabe an, von den Verbrechen der Nationalsozialisten zu berichten. So etwas wie in ihrer Kindheit und Jugend soll nie wieder geschehen.

Ohne Eltern im Versteck

Die Nationalsozialisten waren 1933 in Deutschland an die Macht gekommen. Sie hassten Juden und begannen bald, sie zu unterdrücken und zu verfolgen. Die Eltern von Margot Friedländer und ihr Bruder wurden wie Millionen Juden von den Nazis ermordet.

Margot Friedländer konnte sich erst in Berlin verstecken, wurde aber entdeckt und in eines der schrecklichen Lager gebracht. Sie überlebte und verließ Deutschland. Erst mit mehr als 80 Jahren kehrte sie zurück. Von da an erzählte sie zum Beispiel in Schulen von ihrem Leben im Versteck und dem Überleben. Einen Satz sagte sie oft als Aufforderung: «Seid Menschen!» Denn unter den Nationalsozialisten handelten viele unmenschlich.

Zeitzeugen mit digitaler Technik

Leute wie Margot Friedländer nennt man Zeitzeugen. Sie sind wichtig, weil sie Dinge mit eigenen Augen gesehen haben. Aber von den Zeitzeugen leben immer weniger. Denn wer selbst jung war, als der Krieg endete, ist heute sehr alt.

Fachleute haben aber Ideen, wie man die Erinnerung lebendig halten kann. Zum Beispiel erzählen Überlebende des Nationalsozialismus ihre Lebensgeschichte vor speziellen Kameras. Die Aufnahmen in 3D wirken dann sehr real. Moderne Technik soll außerdem dafür sorgen, dass man den digitalen Zeitzeugen Fragen stellen kann.

© dpa-infocom, dpa:250515-930-547679/1