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Immer sichtbar unterwegs

Von dpa

In manchen Familien wissen immer alle, wo die anderen gerade sind. Denn sie teilen ihren Standort. Das hat Vorteile, kann aber auch zu viel werden.

Ein Blick aufs Handy reicht. Sofort sieht man, wo sich Freunde oder Familienmitglieder gerade aufhalten. Tracking nennt man so etwas. In vielen bekannten Apps steckt diese Funktion schon drin und kann aktiviert werden. Es gibt aber auch spezielle Geräte oder Uhren, die den Standort ermitteln und mit anderen teilen können. 

Manche Eltern tracken zum Beispiel ihre Kinder. So können sie nachsehen, wo die Kinder unterwegs sind. Das gibt den Eltern ein sicheres Gefühl. Auch Paul fühlt sich damit wohler. «Mama und Papa wissen, wo ich bin, wenn mir mal etwas passieren sollte», sagt der Zehnjährige. 

Nur einmal fand Paul das Tracking blöd. Da wollte er nach der Schule einen Umweg zu seiner Oma machen, um dann mit ihr gemeinsam seine Mutter zum Geburtstag zu überraschen. «Da hatte Mama aber zum Glück noch nicht nachgeschaut, wo ich bleibe.»

Freiraum ist wichtig

Fachleute sehen auch Nachteile beim Tracking. Das gilt besonders für ältere Kinder und Jugendliche. Sie sagen etwa: Kinder haben ein Recht auf ihren eigenen Freiraum, der nur sie etwas angeht. Privatsphäre nennt man das. 

Was jemand zum Beispiel in sein Tagebuch schreibt, ist privat. Niemand darf das lesen. So ist es auch in anderen Lebensbereichen. Nur so lerne man, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Außerdem sei häufig unklar, was mit den Daten passiere, die die Geräte über uns sammeln, wenn wir ständig den Standort teilen.

Fachleute raten Familien, sich abzusprechen. «Wenn alle mit der Situation einverstanden sind und sich damit wohlfühlen, dann spricht überhaupt nichts dagegen, den Standort zu teilen», sagt Fachmann Christian Schicha. Wichtig ist es zusätzlich, über mögliche Gefahren zu sprechen und sich gemeinsam zu überlegen, was ein Kind dann tun kann.

© dpa-infocom, dpa:260923-930-731497/1