
Der zehn Jahre alte Orlando lebt auf der Kirmes. Hier schläft er im Wohnwagen und lernt mit anderen Kindern im Schulwagen.

Eine Lehrerin hilft Orlando und den anderen Kindern im Schulwagen.

Eine Lehrerin hilft Orlando und den anderen Kindern im Schulwagen.

Zwischen Fahrgeschäften und Wohnwagen steht auch der Schulwagen.

Alle Kirmes-Kinder können im Schulwagen Hausaufgaben machen und lernen.

Alle Kirmes-Kinder können im Schulwagen Hausaufgaben machen und lernen.
Achterbahn und Kettenkarussell fahren, Zuckerwatte essen und irgendwann ab nach Hause: Für die meisten Kinder endet der Kirmes-Besuch nach einigen Stunden. Bei Orlando ist das anders. Seine Eltern haben einen Stand für Lebkuchenherzen. Damit ziehen sie von Kirmes zu Kirmes. Für Orlando ist der Rummel deshalb sein Zuhause.
Gerade steht Orlandos Familie mit ihrem Stand auf dem Dom in Hamburg. So heißt die große Kirmes dort. «Wenn wir angekommen sind, wird sofort aufgebaut», erzählt der Zehnjährige. Die Familie lebt dann in einem Wohnwagen auf dem Gelände.
Immer wieder neue Schulen
Für Kinder wie Orlando gelten extra Schulregeln. Sie haben eine Stammschule. Die liegt dort, wo die Familie lebt, wenn sie nicht unterwegs ist. Orlandos Stammschule ist im Bundesland Niedersachsen.
Sind die Kinder unterwegs, besuchen sie Schulen in den jeweiligen Orten. «Morgens gehe ich ganz normal in die Schule, genau wie alle anderen», erzählt Orlando. «Aber ich habe zum Beispiel nicht die gleichen Hausaufgaben auf.» Die Aufgaben kommen von seinen Lehrerinnen und Lehrern an der Stammschule. Die sind auch in Kontakt mit den Lehrkräften der anderen Schule. So wissen sie, was Orlando gemacht hat und können ihm auch Noten geben.
Lernen mitten auf dem Rummel
Nach der Schule geht Orlando oft in den Schulwagen auf dem Hamburger Dom. Hier helfen Lehrkräfte ihm und den anderen Kindern beim Lernen und den Hausaufgaben. Heute ist bei Orlando Mathe dran.
Der Zehnjährige hat Freunde auf der Kirmes und zu Hause in Niedersachsen. «Ich bin viel unterwegs, aber die vergessen mich ja nicht», sagt er über die anderen Kinder. Mit seinen Freunden auf der Kirmes ist er am Nachmittag oft unterwegs. Die Kinder dürfen alle Fahrgeschäfte umsonst fahren und auch kostenlos essen.
Ein eigenes Haus zu haben, fände Orlando später toll. «Ein Haus ist ein richtig normales Ding für andere Kinder. Aber für mich ist das etwas, was ich so gar nicht kenne», sagt er. Trotzdem will er in die Fußstapfen seiner Eltern treten, wenn er groß ist. «Ich glaube, ich übernehme das Geschäft von meinen Eltern.»
© dpa-infocom, dpa:260326-930-868569/1